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Management

Führung 4.0

Fit für die Zukunft: Vorbereiten aufs Agile Arbeiten

Amanda Pur, Schauspielerin, Sängerin und Business-Coach am 04. Juli 2016 um 07:00 Uhr

Autorin bei ke-NEXT – Dem Zukunftsmagazin für den Maschinen- und Anlagenbau

Digitale Transformation – wir sind schon lange mitten drin. Technik und Software werden aufgerüstet, doch die Menschen in Unternehmen müssen noch ‘modernisiert’ werden. Arbeiten in Anlehnung ans Design Thinking ist eine gute Möglichkeit.

 

Den Impuls zu diesem Thema gab mir ein kürzlich erschienener Artikel in einem namhaften Magazin. Dort wurde der Weg der digitalen Transformation wieder einmal als für viele Unternehmen kompliziert bis fast aussichtslos beschrieben. Der Wandel ist aber künftig der Normalzustand und es ist kontraproduktiv, dies immer wieder ein großes Problem daraus zu reden, anstatt Lösungsansätze vorzuschlagen. Eine permanente Drohung bedroht die Menschen. Der Brexitist aktuell ein gutes Beispiel.

 

In dieser Zeit großer Veränderungen muss auch der Mensch sich wandeln. Durch die Entwicklungen im Rahmen der Digitalisierung vollzieht sich für Mitarbeiter aller Hierarchiestufen ein Umbruch. Bereits jetzt führt vieles weg von den bisher bekannten klar definierten Arbeitsabläufen, aber die neuen Arbeitsweisen sind noch nicht hinreichend definiert. Es fällt das Schlagwort ‘agil’, alles muss agiler werden, aber das “Wie” ist noch nicht wirklich erklärt. Für viele Menschen ist diese Ungewissheit eine große Herausforderung.

 

Experimenteller Zustand

Die oberste Führungsebene ist hier gefordert auszusprechen was IST: wir befinden uns in einem ungewissen, experimentellen Zustand. Derzeit kann niemand sagen, wie die Arbeitswelt von morgen tatsächlich aussehen wird. Klar ist nur, dass alle mitziehen müssen.

 

Die Menschen in Unternehmen brauchen über die reine Wissenserweiterung hinaus einen Wegweiser, der ihnen zeigt, wie die neue Arbeitswelt funktionieren könnte. In Erwartung der wahrscheinlich auf uns zukommenden Anforderungen, könnte man weiche Fertigkeiten dafür fördern. Und die derzeit oft so ungewisse Zukunft in der Arbeit verliert ihren Schrecken, wenn man mit einer veränderten Einstellung darauf schaut. Künstler haben diesen Blick aufgrund einer anderen inneren Haltung. Ein Wegweiser muss vom Top-Management kommen.

 

Agile Methoden

Künstler leben und arbeiten mit der Unsicherheit einer nicht wirklich planbaren Zukunft. Dennoch wird ihre Haltung im Schaffensprozess von Optimismus, Vertrauen und Schaffensfreude getragen. Künstler folgen oftmals einer Vision und die innere Haltung dazu ist: Ich will das. Der Weg dorthin ist unklar, die Ressourcen sind knapp und auch das Ergebnis kann noch nicht eindeutig definiert werden. Ein Künstler beginnt einfach, er folgt seiner Vision und nutzt die vorhandenen Möglichkeiten sehr kreativ. Von Rückschlägen lässt er sich dabei nicht beirren. Forscher müssten das gut nachvollziehen können.

 

Agile Methoden, wie das ‘Design Thinking‘ machen sich die künstlerische Sicht- und Arbeitsweise zunutze, um Probleme zu lösen und Neues zu erschaffen. Für den Businesseinsatz in Teams wurden Regeln für die Kommunikation und die Haltung, sowie Rahmenbedingungen aufgestellt. Um die Menschen in Unternehmen auf künftiges Arbeiten vorzubereiten, schlage ich eine Anlehnung an die künstlerische Haltung und an die Regeln agiler Methoden vor.

 

Design Thinking

Entwickelt wurde Design Thinking von Terry Winograd, Larry Leifer und David Kelley, dem Gründer der Design- und Innovationsagentur IDEO, die das Konzept auch vermarkten. Der große Förderer dieser Methode ist der Milliardär Hasso Plattner. Seit 2005 wird Design Thinking am Hasso Plattner Institut (HPI) in Stanford gelehrt, seit Oktober 2007 am HPI in Potsdam und weltweit an verschiedenen Universitäten. In Bezug auf Design Thinking wird oft betont, dass es ein Ansatz und nicht wirklich eine Methode ist.

 

Wie ein Künstler denken und handeln

Für meinen Bezug auf agile Methoden habe ich das Design Thinking gewählt. Es wird behauptet, dass man Design Thinking nur ganz oder gar nicht anwenden kann. Dieser Meinung bin ich nicht. Denn damit diese Methode gut funktioniert, werden eine bestimmte Haltung und gute Kommunikations-Fähigkeiten benötigt. Diese werden durch die Regeln ausgedrückt. Und damit zu arbeiten, kann die gesamte Unternehmens-Kultur im Sinne von 4.0 verbessern.

 

Die Aufforderung, ab jetzt wie ein Künstler zu denken und zu handeln, ist so nicht zu leisten. Eine künstlerische Haltung entspringt ja dem gesamten Sein eines Menschen. Aber es gibt einige sehr prägnante Regeln im Design Thinking, die im Grunde künstlerisches Arbeiten beschreiben und somit fassbarer machen.

 

Regeln zwingen aus Beschränkungen heraus

Design Thinking gibt ganz klare Regeln für die Haltung, die Kommunikation, die Abläufe und auch für die Nutzung von Räumen vor. Die kreative Produktivität von Teams wird gefördert durch ein angenehmes und offenes Umfeld. Und gerade diese strikten Rahmenbedingungen und Regeln zwingen die ausführenden Teams regelrecht aus ihren Beschränkungen des Denkens, der Routine und der Hierarchie heraus. Und zwingen sie gleichzeitig hinein in mehr Offenheit in der Kommunikation und neue Ideen.

 

Warum dann nicht gleich mit agilen Methoden arbeiten? Agile Methoden sind nicht für alle Bereiche und Zwecke einsetzbar und teilweise sehr komplex in der Anwendung. Und sich ‘nur’ an deren Regeln und Rahmenbedingungen zu orientieren, ist weniger aufwendig und kann sehr viel mehr Mitarbeiter erreichen. Durch das Regelformat ist eine selektive und sukzessive Einführung möglich.

 

Regeln für neues Denken und Handeln

“Let’s have fun – Die zwölf wichtigsten Design Thinking-Regeln”, entnommen aus dem Buch Durch die Decke denken – Design Thinking in der Praxis von Erbeldinger/Ramge, erklärt dazu: “Fail early and often. Leave titles at the door. Don’t talk. Do! There are no good ideas. Build on ideas of others. Avoid criticism. The quantity is it. Stay focused. Dare to be wild! Think human centered. Be visual. Let’s have fun. “

 

Hinzu kommen wichtige Kommunikations-Regeln, wie: Alle sprechen nacheinander. Moderation zur Einhaltung der Regeln und Straffung der Zeit. Zeitlimits zur Straffung von Diskussionen. Routine wird durch unterschiedliche Nutzung des Raumes aufgebrochen. Viele dieser Regeln sind dem Brainstorming entnommen.

 

In der Anwendung von Design Thinking-Regeln sehe ich für das Vorbereiten auf agiles Arbeiten folgende gewichtige Themen:

1.  Haltung: Eine offenere Haltung für Veränderungen, neues Denken und Handeln.

2.  Kommunikation: Eine verbesserte, transparente und kritikfähige Kommunikation.

3.  Moderation: Für die konsequente Einführung (durch die Führungsebenen).

 

Mehr dazu, wie Sie Agile Methoden in Ihr Unternehmen bringen, lesen Sie in der nächsten Folge der Kolumne am 1. August 2016.

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